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Die Eiche: Querschnitt unseres Lebens
 

Ein kalter aber sonniger Novembermorgen in Behlendorf
 

Eiche wird gefällt

Was ist ein Dorf ohne seine Geschichten und Erzählungen? Was bleibt, wenn niemand zumindest seine Notizen aufschreibt, was an wichtigen Tagen geschah? Wer liefert die Stichworte, dass wir uns alle wieder erinnern und einer nach dem anderen dann unseren Nachbarn – dann aus unserer Sicht – erzählen, wie es wirklich gewesen ist, das Leben in Behlendorf?

An diesem klaren, kalten und sonnigen Novembersamstag, als ein kühler Wind die Wolken und den Nebel vertrieb, ging ein weiteres Stück der Alten Eiche und trotzdem konnte der Blick in die Ferne, in die Zukunft gehen. Im Jahr 2010 trug unsere Eiche das letzte Mal grüne Blätter, behlendorf.net berichtete ausführlich darüber. Nun stellten der große Torso mit seinen weithin sichtbaren Stammteilen eine Gefahr für die Kirchbesucher und die Kinder, Eltern und Erzieherinnen des Kindergartens dar. Eine Situation die von der Eigentümerin der Eiche, der Kirchengemeinde, sorgenvoll beraten wurde.

Heute nun wurden wesentliche Teile des Stammes gekappt, kämpften sich drei Männer durch das stark angegriffene Holz der Alten Eiche und reduzierten die Gefahren. Udo Ender (56), Meikel Ender (23) und Uwe Martens (43) aus Niendorf/Stecknitz arbeiteten den ganzen Tag. Ein Hubwagen mit einem dreißig Meter Ausleger und mehrere Kettensägen mit Schwertlängen zwischen 50 und 90 cm halfen bei der Arbeit. Vier Ketten gingen dabei kaputt, denn mittlerweile war bei verschiedenen Baumsanierungen viel Eisen eingesetzt worden, um den Baum zu stabilisieren.

Ein Blick von oben in den Eichenstamm belegt, wie dringend die Arbeiten waren. Von der Arbeitsbühne des Hubwagens aus Höhe der Kirchturmspitze lässt sich der schon weit fortgeschrittene Zerfallsprozess der Baumes im Kreislauf des Lebens erkennen. Nebenbei fällt die präzise Arbeit auf, weder Hecke noch Laterne oder Denkmal oder gar die Kirche mit herunterfallenden Teilen zu treffen.

Und von dieser luftigen Höhe des Wetterhahnes aus kann der Blick über den Brink, das Brinkhuus, den Behlendorfer See bis Mölln wandern. Und hier direkt unter dem Hubwagen und in unserer Blickweite und wie überall ist es dieser Kreislauf des Lebens, der aus dem sich zersetzenden Holz irgendetwas Neues wachsen lässt. Und so schließen sich an die Überlegungen, was alles im Leben der Behlendorfer in den achthundert Lebensjahren der Eiche geschah, die Hoffnungen für die nächsten 800 Jahre an, weit hinaus über unseren eigenen beschränkten Horizont von nur einem Zehntel dieser Eiche, hinter dem unser Leben in Behlendorf immer weiter gehen wird.

 

Fotos 12.11.2011 © Henschel & Sohn