Die Thorben: Via Behlendorf nach Alaska
Der Bayer Alois Pongratz baute sich seine Yacht
Goldener Herbst 2011: Vom Schorberg aus zu beobachten, war am Samstagvormittag ein ungewöhnliches Schiff auf dem Elbe-Lübeck-Kanal Richtung Berkenthin unterwegs. Gegen 10 Uhr hatte es die Behlendorfer Schleuse passiert. Beim Nachfragen erfuhr behlendorf.net eine ungewöhnliche Geschichte.
Auf
dem Kanal war Alois Pongratz (65) mit seinem Freund Gerhard Mehl (66) und
seiner selbst gebauten Yacht Thorben auf dem Weg durch das deutsche
Binnen-Kanal-Netz nach Travemünde. Drei Wochen waren die Segelkameraden
mithilfe zweier 65-PS-Schiffsdiesel bislang unterwegs, knapp 70 Schleusen
werden sie vom Rhein-Main-Donau-Kanal bis zur Böbs-Werft passiert haben -
dort wird im Frühjahr 2012 der 20 Meter Mast und die 200 qm große
Segelfläche gesetzt.
Nach
einigen Tagen auf der Ostsee, um das Gefühl für die Segeleigenschaften des
so genannten Verdränger-Bootes zu bekommen, geht es dann durch den
Nord-Ostsee-Kanal Richtung Brunsbüttel und dann über die Kanaren und den
Atlantik, durch den Panama-Kanal, Hawaii, die Westküste Kanadas bis Alaska.
"Fischen," sagen die beiden, wollen sie dort. Fünf Jahre Bauzeit hat
Pongratz schon hinter sich. Eine Metallbaufirma war zuvor seine Profession
und so ist der komplette Schiffsrumpf aus Metall, wiegt rund dreißig Tonnen
und bewegt sich ganz schön vorsichtig auf dem Elbe-Lübeck-Kanal,
insbesondere vor den Schleusen - gewaltige Wellen würde es sonst geben.
Innen
ist die auf den nordischen Namen Thorben getaufte Yacht mit allem
Notwendigen ausgestattet: Spül- und Waschmaschinen, Kühlschränke,
Warmwasserheizung, Dusche und Toiletten sowie ein 3.000-Liter-Diesel- sowie
ein 2.000-Liter-Wassertank geben die Gewissheit, drohende Atlantikstürme und
mitunter gewaltige
Pazifikwellen durchstehen zu können. Aber auch mit einigen Tropfen geweihtem
Wasser hat ein Pfarrer bei der Schiffstaufe anlässlich der Wasserung für
himmlischen Beistand gesorgt. Für die beiden bayerischen Segler ist neben
einer Entsalzungsanlage auch ein Vorrat von 300 Litern Weizenbier an Bord -
nach bisher 10.000 Stunden Eigenbau und ca. 400.000 Euro Materialkosten eine
bayerische Selbstverständlichkeit.
"Das muss man schon mal machen", sagt der Oberpfälzer Alois Pongratz und Gerhard Mehl ergänzt, dass es schon passt, das Ganze, auch wenn der Gutachter der Versicherung "ein so ein Schiff auch noch nie gesehen hatte."
Fotos: © Andreas Henschel


