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Wankende Ewigkeit

Narr. Weib. Zeit. Narbe. Friede. Hoffnung. Seelenwanderung. Geschichte.

Die Eiche aus Behlendorf in einer Bilderstrecke. Für den Text bitte nach unten scrollen. Und noch ein Tipp: Die sterbende Eiche mit ihrem schütter werdenden Blätterkleid aus 2003 bis 2010.

Zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken.


 


 

 

Wankende Ewigkeit

800_Jahre_Eiche_stirbt_fuenf_vor_zwoelf 800 Jahre alt soll sie noch werden: die Behlendorfer Eiche. Ihre Wurzeln verbinden uns mit dem Spätmittelalter. Der mächtige Stamm schaut von einer Seite aus, als hätte ein großer Mann den Kopf in den Sand gesteckt und seine Beine ragten zum Himmel - der Narr. Von anderer Seite sind es eher weibliche Formen, zu denen ein Aufblick freut - fest gegründet. Runzlig, tief in die Rinde eingegrabene Falten der Ewigkeit, hier und da ein wenig Moos und ganz oben ein zarter grüner Halm, so steht sie da in diesem Mai 2011. Der Wind hat ihr die Geschichten der Behlendorfer, ihres Dorfes und ihres Landes anvertraut und sie danach geformt. Sind es doch Knospen, die an einzelnen Ästen zu sehen sind?

 

Weit verzweigte Geschichte

800-Jahre_Eiche_Behlendorf_2003Behlendorf hat neben vielen Baudenkmälern auch zwei Natur-Denkmale: Die Insel im See und eine ca. 800 Jahre alte nahezu ewige Eiche neben der Kirche, jedoch wegen des nahen Gefallenendenkmals, das seinerzeit extra aus Seenähe hierher verlegt wurde, von einzelnen als unschick empfunden.
Die Eiche hat ebenso wie die Kirche einen verblüffenden Effekt, denn nicht nur Eichenfreaks und Predigtlauscher sehen Baum und Kirche als „ihre“ an, auch tägliche Spaziergänger, Friedhofsbesucher und Vorbeifahrende nehmen ohne große Worte die Silhouetten wahr und betrachten es still und vertraut als „ihrs“, ihrer Heimat zugehörig.
Schmunzeln kann man dann, wenn eine Zeitung, allgemein aus Frankfurt kommend und einen Bruchteil der 800 Jahre alt, nur einen findet, der einzig sein will, und diesen Baum und seine “Energie“ zu verstehen glaubt – ach, Zeitungspapier wie bist Du vergänglich, Baum und Kirche gehören doch allen.

Eichenglück

Hochzeitskutschenpferd_EicheSo eine Eiche ist schon etwas besonderes. Anhand des Umfangs und des Wuchses schätzt der Baumpfleger das Alter der Eiche an unserer Kirche auf 780 bis 790 Jahre. Jedes Jahr werden tote Äste entnommen, denn das Naturdenkmal darf keine Gefahr für die Kinder im Behlendorfer Kindergarten, die Friedhofbesucher oder Kirchgänger darstellen. Zehn bis fünfzehn Jahre könne sie bei guter Pflege durchaus noch leben, meint der Spezialist. Das Klima im Herzogtum Lauenburg müsste gut sein: Am Vossberg steht eine ähnlich alte Eiche (Storcheiche nach einem Paar des Schwarzen Storches das dort genistet hatte, Stammumfang 6 Meter 15) und im Revier Witzhaver Viert (heute Revier Aumühle) des Sachsenwaldes (Sachsenwald) war schon die mehrhundertjährige Fürsteneiche Lieblingsbaum des eisernen Kanzlers Fürst Otto von Bismarck.

 

 

Eiche

Die Behlendorfer Eiche soll ca. 800 Jahre alt geworden sein. Mithin stammt sie aus dem 13. Jahrhundert, etwas jünger als die erste Erwähnung Behlendorfs im Jahre 1194. Die Eiche ist mit der Geschichte des "weißen Dorfes" oder dem "Dorf mit dem Weißen" (einem hellhäutigen Bauern) verwoben.

Auf zahlreichen Familienbildern zu Taufe, Konfirmation und Hochzeit steht sie still im Hintergrund.

Die Geschichte

© Alle Bilder alle Texte Andreas Henschel.