Behlendorfer Magnolienbaum
Die Magnolie in einer Bilderstrecke. Für den Text bitte nach unten scrollen.
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Eine Magnolie wird Osterbild
Das Fotomotiv für den Coupélenker
Das Osterbild des Nordens ist die Magnolie in Behlendorf. Eines Morgens, in diesen sonnigen Frühlingstagen, um kurz nach halb sieben, hält ein elegantes Coupé mit einem Stern als Zeichen in der Mühlenstraße. Ein distinguierter Herr steigt aus, schließt mit sattem Klang den schweren Wagenschlag und geht über die Kreisstraße hin und her, geht den Bürgersteig auf und ab, greift in die Tasche seines im Trachtenschnitt gefertigten Blousons und zieht einen raffiniert kleinen Fotoapparat aus seiner Tasche, um sein Bild des Frühlings festzuhalten: den in voller Blüte stehenden
Magnolienbaum am Ortsausgang der Mühlenstraße.
Ein Bild für den Fuhrmann
Bereits
am Vorabend war ein alter, mächtiger LKW die Herrenstaße entlang gekommen
und dann diese Kreisstraße weiter in die Mühlenstraße gebogen. Zwischen den
Häusern war das Motorgeräusch des großen Diesels in die Gärten geschallt,
man meinte jede einzelne Umdrehung der Kurbelwelle zu hören,
brumm-brumm-brumm, langsam, rhythmisch, alle fünf Sekunden. Im Standgas
schüttelte es den ganzen weißen Wagen. Er war mit blauen Streifen bemalt,
vielleicht ein LKW, der sonst Zirkuswagen zog und wie ein Relikt aus den fünfziger Jahren wirkte. Wegen der Hecke war das Markenzeichen des Lasters nicht zu erkennen, vielleicht ein H in einem Stern. Sterne wie sie in wenigen Stunden während des Frühlingvollmonds am klaren Himmelszelt stehen und wo in diesen Nächten Sternschnuppen
aus dem Kometenschweif des Thatcher enteilen. Mehrfach hielt der LKW, weil der Fahrer einen Platz zum Wenden seines Geführts suchte, doch dann in der Mühlenstraße öffnete sich die große Fahrertür und der Kapitän der Landstraße fotografierte von den oberen Stufen des hohen Einstiegs aus, zwischen Türholm und Scheibe hindurch, das Bild, das er vielleicht bald seiner Frau auf dem kleinen Display an der Kamerarückseite zeigen wird: den Behlendorfer
Magnolienbaum.
Wenn die Sonne den Baum berührt
Morgens und abends steigert die Sonne die Wirkung dieses Baumes ungemein. Die rötliche Wärme des Sonnenlichtes gibt den in diesem Jahr besonders weißen Blättern den Glanz der Sonne, die wir Menschen seit altersher mit einem Osterfeuer in der Nacht zum Ostersonntag feiern. Heuer sind kaum braune Frostflecken auf den eiförmigen Blütenblättern, wie aufbrechende Eierschalen schauen die rosaweißen Kelche auf den Zweigen. In dieser Frühlingszeit kommt der Hase auf Futtersuche nah an menschliche Behausungen, hoppelt um Kirche und in Gärten. Daraus ist der Brauch entstanden, dem Hasen an Ostern die Eier in den Vogelnestern zuzuschreiben. In den Morgenstunden glänzt der Tau im Sonnenlicht, die Tropfen sind das lebensspendende Wasser, das in manchen Gegenden junge Mädchen zwischen Ostermette und Morgengrauen Wassertropfen aus den Bächen schöpfen lässt oder zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aus einem menschengemachten Brunnen, als Zeichen des Lebens, der Heilkraft und der Fruchtbarkeit. Osterbräuche sind vielfältig.
Das Geheimnis unter der Blüten-Kapuze
Im
Innern des phantastischen Baumes, unter der Kapuze aus bunt schimmernden
Blättern, ist es wie in einem abgeschirmten Kirchenraum mit seinen
Glasmosaiken. Hier kann eine ganze Großfamilie gemeinsam am Tisch sitzen und
essen, hier birgt die Magnolie ihr Geheimnis. Ein Anderer würde es mit
teurer Kameraausrüstung in einem 'virtuellen Rundgang' erfassen wollen -
aber dieses Geheimnis passt nicht auf ein Bild, dieses Geheimnis entzieht sich der Technik, weil es zum Kreislauf des Lebens gehört. Es sind Kinder, die auf den festen Stämmen des Baumes nach oben klettern, die größeren hinaus aus der Reichweite der Eltern, die das bewundernd und bangend zugleich betrachten, und die jüngeren, von den Großeltern beim ersten Kletterschritt gehalten - denn dieser
Magnolienbaum ist ein Osterbaum, ein Lebensbaum.

