Nana Behlendorf
Dörfer zeigen Kunst im Brinkhuus Behlendorf

Ein Foto als Abbild eines Gemäldes nimmt dem Bild Raum, nimmt vom Licht, nimmt von der Wechselwirkung Betrachter – Kunstwerk und nimmt so dem Gemälde oder der Skulptur ein klein wenig seiner Seele. Bei fotografischen Bildergalerien mit ihrem digitalen Bits muss deshalb etwas neues oder etwas anderes als das reine Abbild hinzukommen: der Blick in den Raum, ein Blick auf den das Kunstwerk betrachtenden Besucher oder und vor allem ein kleiner Text. Wenn der Berichterstatter seine Leser oder User für mündig hält, kann er noch klarer vorgehen, er fokussiert z.B. auf wenige Kunstwerke aus einer Ausstellung, provoziert vielleicht sogar kurz seinen Leser (oder sogar den Künstler) zum Widerspruch, ruft Meinung hervor und verhilft so – mitunter über einen kleinen Umweg – zu einem anderen, einem neuen, einem nahe bringenden Blick.
Was ist gleich, was ist verschieden bei den „Dörfern zeigen Kunst“ dieses
und der letzten Sommer im Brinkhuus?
Hempel
lehrt
Mechthild Hempel führt die Behlendorfer und ihre Gäste seit einigen
Jahren an Kunstwerke heran. Stufe für Stufe erklimmen bei ihr Behlendorfer
Nachwuchsmaler die Höhen der Kunst, bemerkenswerte Bilder der Kinder und
Jugendlichen entstehen in wöchentlichen Malstunden im Brinkhuus und werden
einmal im Jahr ausgestellt (siehe rechte Spalte oben). Mechthild Hempel selbst, eine in Weißenberg bei
Dresden geborene Plakatmalerin der alten Schule, lebt seit vielen Jahren in
Behlendorf und ist als frei schaffende Künstlerin und Kursleiterin für
Malerei tätig.
Kropla wirkt
Jutta Kropla hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung
gemacht. Sie lebt seit 15 Jahren in Behlendorf und hat schon zahlreiche
Ausstellungen im Kreis mit Öl- und Pastellbildern geschmückt.

In diesem Jahr zeigt sie Werke in Gouache-Technik, die rasches Arbeiten
erfordert und eine samtene Oberfläche ergibt, und den Motiven – irgendwo
inspiriert zwischen Behlendorfer See, der Bank von „Jodler-Karl“ und
Berkenstrücken – eine besondere Wirkung wie bei ihren eindrucksvollen
Hirschen verleiht.
Grass
tanzt
Im letzten Jahr hatte Günter Grass noch mit einer Mädchenskupltur mit drei
Brüsten provoziert. Seine diesjährige Skulptur eines tanzenden Paares wirkt
deutlich ruhiger, gesetzter, getragener, greift hier sein Buch „Grimms
Wörter“ und die Geschichten vom Altern auf. Grass selbst hatte bei seinen
Lesungen von späten Tänzen zum Küchenradio in Behlendorf erzählt,
unvergessen sein Bild als Tangotänzer nach der Nobelpreis-Verleihung in
Stockholm.
Schulz
befriedet
Von der Behlendorfer Feldmark am Himmelsberg fällt der Blick von Udo
Schulz auf die Kirche von Berkenthin. In einer raschen Kugelschreibertechnik
skizziert der Anästhesiepfleger vom Uniklinikum seine Umgebung, Malerei ist
sein Ausgleich zum Beruf. Am Morgen des Palmsonntags 42 haben die Hollenbeker
von der Stelle seines Blickes den Rauch des brennenden Lübeck gesehen –
ungleich friedlicher ist das Bild von Udo Schulz aus Berkenthin.
Berkenthiner
und Sauer zitieren Niki
Die 2002 verstorbene Künstlerin Niki de Saint Phalle lebte in Paris, San
Diego und zwischen Bern und Fribourg in der Schweiz. In den sechziger Jahren
entwickelte sie die „Nanas“, Frauenfiguren mit betont üppigen und runden
Formen weiblicher Ur-Kraft. Einmal war eine solche Frau mit dem Namen Hon
(schwedisch und schlichter Name für: sie) sogar gulliverriesig liegend in
Stockholm aufgebaut und verstörte die Männerwelt mit einem Zugang zwischen
den Beinen und einem Inneren mit Kino und Bar. In Hannover, Oslo oder Paris
und auch in Hamburg am Theater im Hafen stehen Skulpturen von Niki. Hier erobert eine Nana die Welt der Medien,
sie ist über und über mit Zeitungsartikeln und Magazinbeiträgen bedeckt, sie
trägt eine Krone und sie tanzt fast wie die erfolgreiche Jill Abramson, seit
Juni 2011 die erste Chefredakteurin des Leitblattes No. 1 der Medienwelt
namens New York Times. Oder wie: „Die Hexe: Rebeka Brooks - Gnadenlose Härte
und umwerfender Charme“, so hatte die ansonsten emotionsarme Neue Zürcher
Zeitung im Juli 2011 über die für einen Tag in England verhaftete
Chefredakteurin der „News of the World“ des Australiers Rupert Murdoch
geschrieben.

Auch Tamina Sauer zeigt eine Nana, eine sitzende, nicht stehend, nicht liegend. Wie in einem Grafikerhaushalt zu erwarten - Ehemann Andreas Sauer ist Grafikdesigner - leuchtet Tamina Sauers Nana in bunten Farben. Ein bischen versteckt ist sie, oben im Brinkhuus. Sie misst etwa eine Spanne, ist eine Gulliverminiatur, und zählt zu den Kleinoden der Ausstellung im Brinkhuus. Eine Männerhand kann sie tragen.
Andreas Sauer hatte schon im letzten Jahr ausgestellt, allerdings nicht im Brinkhuus, sondern im Garten von Mechthild Hempel in der Seestraße. Mit fünfzehn Schwarzweiß-Bildern "Der Ohrenzeuge" knüpft er an den griechischen Philosophen und Naturforscher Theophrastos von Eresos an - einem genauen Beobachter von Eigenschaften.













